Die gemeinsamen Interessen mit einer Stimme vertreten

Seit Januar 2019 präsidiert Madeleine Deckert den Verein seeland.biel/bienne. Die Gemeindepräsidentin von Leubringen / Magglingen möchte die Zusammenarbeit unter den Gemeinden weiter stärken. Um als Region gehört zu werden, sei eine gemeinsame Stimme der Gemeinden im Seeland und im Berner Jura wichtig.

 
Wie erklären Sie jemandem, der unsere Region nicht kennt, was seeland.biel/bienne ist?

Wir sind ein Verein, in dem sich 61 Gemeinden der Region organisiert haben. Der Vorstand setzt sich aus Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten der vier Teilregionen – Agglomeration Biel, Lyss/Aarberg, Ins/Erlach, Linkes Bielerseeufer – zusammen.

 
Und welchen Auftrag hat dieser Verein?

Wir erfüllen zum Teil Aufgaben im Auftrag des Kantons, zum Beispiel die Regionalplanung gemäss kantonalem Baugesetz, die Neue Regionalpolitik (NRP) und die Energieberatung. Dazu kommen politisch-strategische Aufgaben sowie Aufgaben, die wir uns selber geben – etwa mit Projekten im Sozialbereich oder zur Stärkung der Berufsbildung in der Region. Wir haben das Ziel, bei gemeinsamen Themen vorwärts zu kommen und die Region als Wirtschaftsstandort zu stärken. Daher arbeiten wir auch mit der Wirtschaftskammer Biel-Seeland (WIBS) und mit Tourismus Biel Seeland (TBS) zu-sammen.

 
Können Sie ein paar Projekte nennen, die in den letzten Jahren erfolgreich umgesetzt wurden?

seeland.biel/bienne war sehr aktiv beim Gesamtmobilitätskonzept Ostast. Dieses Konzept soll helfen, die Funktionsfähigkeit des Strassennet-zes in der Agglomeration Biel aufrecht zu erhalten, bis die A5-Umfahrung fertiggestellt ist. Oder nehmen wir zwei Projekte, die mit Hilfe unseres Vereins entstanden sind. Da ist einmal die Solarplattform Seeland zur Förderung der Energiegewinnung aus Solaranlagen. Oder dann die Fachstelle Arbeitsintegration Seeland, die mit unserer Unterstützung regionalisiert werden konnte.

 
Wo sehen Sie die Stärken und wo die Schwächen des Vereins seeland.biel/bienne?

Ein positiver Punkt ist sicher die Vernetzung, die unsere Region insgesamt stärkt. Speziell ist, dass wir als Verein privatrechtlich organisiert sind. Dadurch sind wir etwas flexibler und schlanker organisiert als die öffentlich-rechtlichen Regionalkonferenzen in anderen Regionen. Dafür erhalten wir aber etwas weniger Unterstützung vom Kanton. Wir übernehmen zwar die gleichen Aufgaben wie andernorts die Regionalkonferenzen, haben aber nicht denselben Status.

 
Die Bildung einer Regionalkonferenz in unserer Region liegt seit Jahren auf Eis. Wird sie wieder aktuell?

Der Kanton sähe schon gern eine Regionalkonferenz Biel-Seeland-Berner Jura. Aber für uns ist das zur-zeit nicht vordringlich, denn unsere Mitglieder sind mit den heutigen Strukturen zufrieden. Dazu kommt, dass die Gemeinden im Berner Jura kürzlich den Verein «Jura bernois.Bienne» gegründet haben und nun ähnlich organisiert sind wie wir im Seeland.

 
Wird dadurch die Zusammenarbeit einfacher?

Es ist ein Vorteil. Aber die Zusammenarbeit zwischen den beiden Regionen hat sich in den letzten Jahren sowieso positiv entwickelt. So gibt es seit langem die Regionale Verkehrskonferenz Biel-Seeland-Berner Jura und etwas weniger lang den Gemeindeverband Kulturförderung Biel-Seeland-Berner Jura. Wo der Kanton eine gemeinsame Struktur verlangt, haben wir uns also entsprechend organisiert. Es wäre aber förderlich, dass wir uns als zweisprachige und stark von der Industrie und der Landwirtschaft geprägte Region des Kantons vermehrt mit einer Stimme äussern würden, wenn wir gemeinsame Interessen zu vertreten haben. Dafür werde ich mich in meinen zwei Präsidialjahren gerne einsetzen.